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Systemische Beratung ist ein moderner Ansatz, der Menschen und Gruppen dabei unterstützt, Lösungen für Konflikte und Herausforderungen zu entwickeln. Sie basiert auf der Systemtheorie, Beratungswissenschaft und Familientherapie und richtet den Blick auf vorhandene Ressourcen und Stärken der Klienten. Durch die Arbeit an Beziehungsmustern, Kommunikationsweisen und Rollen werden alternative Denk- und Verhaltensmuster sichtbar. Sowohl Einzelpersonen, Paare, Familien als auch Teams und Organisationen profitieren von dieser lösungsorientierten Methode. Im Folgenden wird erläutert, wie systemische Beratung funktioniert, welche Zielgruppen sie anspricht, welche Methoden genutzt werden und welche Ziele verfolgt werden.
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Was ist Systemische Beratung?
Systemische Beratung basiert auf Erkenntnissen aus der Systemtheorie, der Beratungswissenschaft und der Familientherapie. Im Mittelpunkt stehen stets die vorhandenen Ressourcen und Wünsche der Klienten. Berater begleiten Menschen dabei, sich aktiv mit bestimmten Situationen oder Konflikten auseinanderzusetzen und eigenständig Lösungen zu entwickeln. Dabei fördern sie die Fähigkeit, eigene Denk- und Verhaltensmuster sowie Wechselwirkungen im sozialen Umfeld zu erkennen. So entstehen neue Sichtweisen, aus denen alternative Handlungs- und Beziehungsmuster entstehen können.
Systemische Beratung – Hintergrund zur Thematik
Systemische Beratung gewinnt in vielen Bereichen zunehmend an Bedeutung, weil sie flexibel auf unterschiedliche Lebenssituationen und berufliche Kontexte reagiert. Bildungs- und Schulberater, soziale Einrichtungen sowie Unternehmen setzen sie aktiv ein, um Konflikte zu klären, Veränderungsprozesse zu begleiten und die persönliche Entwicklung zu fördern. Besonders in komplexen Systemen wie Familien, Teams oder Organisationen erweist sie sich als wertvolles Instrument. Immer mehr Menschen und Institutionen nutzen systemische Beratung gezielt, um lösungsorientierte Strategien zu entwickeln, vorhandene Ressourcen zu stärken und Selbstreflexion sowie eigenständiges Handeln zu fördern.
Systemische Beratung – Grundlagen
Systemische Berater gehen davon aus, dass ihre Klienten eigenständig Lösungen entwickeln können. Ihre Arbeit ist geprägt von Akzeptanz, Einfühlungsvermögen, Unvoreingenommenheit und Wertschätzung. Sie unterstützen Menschen, ihre eigenen Ressourcen zu erkennen und aktiv für Problemlösungen zu nutzen. Im Konfliktfall übernehmen systemische Berater die Rolle eines neutralen Vermittlers, der den Dialog fördert, unterschiedliche Perspektiven aufzeigt und so die Entwicklung tragfähiger Lösungen erleichtert. Damit schaffen sie einen Rahmen, in dem Veränderung und Wachstum aus eigener Kraft möglich werden.
Was unterscheidet Berater von Therapeuten?
Systemische Berater teilen viele Grundannahmen mit Therapeuten und ihre Vorgehensweise ähnelt sich in Beratung und Therapie
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im Einsatzbereich. Therapeuten arbeiten gezielt mit Menschen, die medizinische Diagnosen haben, wie beispielsweise Essstörungen oder andere psychische Erkrankungen.
Systemische Berater hingegen sind ausschließlich beratend tätig. Sie unterstützen Menschen in Lebenssituationen wie Eheberatung, beruflicher Neuorientierung oder Seelsorge, ohne medizinische Diagnosen zu behandeln. So liegt der Fokus auf Begleitung, Lösungsfindung und Nutzung vorhandener Ressourcen, nicht auf therapeutischer Heilung.
Systemische Beratung – Zielgruppe
Systemische Beratung richtet sich an Einzelpersonen, Paare und Familien, zum Beispiel bei Krisen oder Konflikten in der Partnerschaft oder im familiären Umfeld. Auch Teams, Organisationen und ganze Unternehmen nutzen systemische Beratung, um die Zusammenarbeit zu verbessern, Konflikte zu lösen oder Mitarbeitende gezielt zu unterstützen. Grundsätzlich können alle Personen oder Gruppen von diesem Ansatz profitieren, die mit Beziehungsmustern und Verhaltensweisen in unterschiedlichen Lebens- oder Arbeitskontexten konfrontiert sind. Die lösungsorientierte und ressourcenaktivierende Arbeit hilft ihnen, eigene Strategien zu entwickeln und Handlungsspielräume zu erweitern.

Systemische Beratung – Vorgehen
Bei der systemischen Beratung liegt der Fokus zunächst auf der Herkunftsfamilie der Klienten, ihren Regeln, Rollen sowie Sprach- und Interaktionsmustern. Engere Bezugspersonen werden oft in den Beratungsprozess einbezogen, um unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.
Ablauf
Der Ablauf gliedert sich typischerweise in mehrere Schritte:
- Vorklärung: Anfragen der Beratung, Benennung der Themen und Prinzipien der Zusammenarbeit sowie Rollen und Auftrag geklärt.
- Systemische Landkarte: Alle relevanten Akteure, Themen und Beziehungen sammeln, die Perspektiven weiterer Beteiligter eingeordnet und die Akteure im System angeordnet.
- Zielformulierung: Der zentrale Brennpunkt im System wird identifiziert und ein übergreifendes, emotional attraktives Ziel formuliert, das alle Beteiligten berücksichtigt.
- Ressourcenanalyse: Eigene Werte, Motivation und Gefühle sowie die der Beteiligten werden erfasst. Erfahrungen aus bisherigen Lösungsversuchen und Ideen für alternative Handlungen werden gesammelt.
- Maßnahmenplanung: Die identifizierten Ressourcen werden gezielt eingesetzt, Zwischenreflexionen und Controlling werden geplant, um das Ziel effizient zu erreichen.
- Umsetzung: Die geplanten Maßnahmen werden umgesetzt, begleitet von Reflexionen, Controlling und gegebenenfalls Nachsteuerung – entweder eigenständig oder mit Unterstützung der Beraterinnen und Berater.
Methoden
Häufig eingesetzte Methoden in der systemischen Beratung gehen gezielt auf Beziehungen, Muster und Ressourcen ein:
- Genogramme: Berater erstellen aktiv grafische Darstellungen der Familien- oder Beziehungshistorie, um Rollen, wiederkehrende Konflikte und Einflussfaktoren zu erkennen, die das Verhalten prägen.
- Zirkuläres Fragen: Durch gezielte Fragen bringen sie unterschiedliche Perspektiven ins Gespräch und zeigen, wie andere Beteiligte Situationen wahrnehmen oder darauf reagieren.
- Aufstellungsarbeit: Mit Familien- oder Teamaufstellungen machen sie Beziehungs- und Konfliktmuster räumlich sichtbar und entwickeln gemeinsam alternative Lösungswege.
- Ressourcen- und Lösungsarbeit: Sie aktivieren gezielt die Stärken, Erfahrungen und Fähigkeiten der Klienten, um neue Strategien und Handlungsoptionen zu entwickeln.
- Skalierungs- und Zieltechniken: Berater setzen Skalen und konkrete Ziele ein, um Fortschritte messbar zu machen, Veränderungen zu reflektieren und gezielt zu steuern.
Systemische Beratung – Ziele
Die systemische Beratung verfolgt das Ziel, individuelle Vorhaben und persönliche Kompetenzen der Klienten herauszuarbeiten, sie im beruflichen oder privaten Kontext zu reflektieren und zu einer sinnvollen Integration zu führen. Sie unterstützt dabei, alternative Denk-, Wahrnehmungs- und Interaktionsmuster zu erkennen, um neue Verhaltensoptionen zu eröffnen und Lern- sowie Erneuerungsprozesse anzustoßen und zu begleiten. Gleichzeitig fördert sie mehr gegenseitiges Verständnis, Toleranz und einen achtsameren Umgang miteinander, sowohl im persönlichen als auch im sozialen Umfeld.
Systemische Beratung – Perspektive
Die Perspektive der systemischen Beratung ist zukunftsorientiert und lösungsfokussiert. Sie betrachtet Probleme nicht isoliert, sondern immer im Kontext von Beziehungen, Rollen und Wechselwirkungen im sozialen Umfeld. Berater fördern die Selbstreflexion der Klienten und unterstützen sie darin, eigene Handlungsoptionen zu erkennen und umzusetzen. Langfristig zielt die systemische Beratung darauf ab, dass Menschen befähigt werden, Konflikte selbstständig zu lösen, Veränderungsprozesse aktiv zu gestalten und ihre Ressourcen nachhaltig zu nutzen. So entsteht ein dynamischer Prozess, der Eigenverantwortung, Kooperation und persönliche Entwicklung gleichermaßen stärkt.
Häufige Fragen
- Was macht man in der Systemischen Beratung?
- Wer darf Systemische Beratung anbieten?
- Was ist das Ziel von Systemischer Beratung?
- Was sind Beispiele für Systemische Fragen?
In der systemischen Beratung unterstützt man Menschen oder Gruppen dabei, Probleme im Kontext ihrer Beziehungen und Rollen zu erkennen und eigenständig Lösungen zu entwickeln. Dabei werden Ressourcen aktiviert, Perspektiven erweitert und alternative Handlungsoptionen erarbeitet.
Systemische Beratung darf grundsätzlich von ausgebildeten Beratern angeboten werden. Anders als Therapie erfordert sie keine medizinische Qualifikation, sondern eine fundierte Ausbildung in systemischen Methoden.
Ziel ist es, Menschen zu befähigen, Konflikte selbstständig zu lösen, neue Sichtweisen zu entwickeln und ihre Ressourcen aktiv zu nutzen. Sie fördert Selbstreflexion, alternative Denk- und Verhaltensmuster sowie persönliche und berufliche Entwicklung.
Beispiele sind zirkuläre Fragen wie „Wie würde Kollege diese Situation sehen?“ oder lösungsorientierte Fragen wie „Was müsste passieren, damit alle Beteiligten zufrieden sind?“ Sie regen Perspektivwechsel und Selbstreflexion an.
- BTB (Bildungswerk für therapeutische Berufe), „Systemische/r Berater/in“, https://www.btb.info/berufswegweiser/berufsbilder/berufsbild-systemischer-berater.html (letzter Zugriff am 01.10.2025).
- IFLW (Institut für Lerntherapie und Weiterbildung), „Was ist systemische Beratung? Ihr Wesen, ihre Methoden und Vorgehen“, 11.01.2023, https://www.iflw.de/blog/systemische-beratung/was-ist-systemische-beratung/ (letzter Zugriff am 01.10.2025).
- Institut für Bildungscoaching, „Die Grundlagen der systemischen Beratung“, https://www.institut-bildung-coaching.de/wissen/die-grundlagen-der-systemischen-beratung (letzter Zugriff am 01.10.2025).
- MediBalance, „Systemische Beratung“, https://www.medibalance.com/beratung1.html (letzter Zugriff am 01.10.2025).
- Onlineportal für die Schulaufsicht, „Systemische Beratung konkret“, 23.01.2024, https://www.schulaufsicht.de/beitrag/systemische-beratung-konkret/ (letzter Zugriff am 01.10.2025).
- Systemische Gesellschaft, „Systemische Methoden“, https://systemische-gesellschaft.de/systemischer-ansatz/was-ist-systemisch/methoden/ (letzter Zugriff am 01.10.2025).




