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Wer zuhause eine gute Lese- und Lernkultur genießt, lernt offenbar besser mit digitalen Medien umzugehen. Eine neue Studie des Leibniz-Institut für Bildungsforschung zeigt: In Deutschland wächst die digitale Ungleichheit unter Achtklässlern rasant – und soziale Unterschiede spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Dieser Beitrag beleuchtet die zentralen Ergebnisse der Studie und zeigt dir, was dieses Ungleichgewicht der digitalen Kompetenzen für Deinen Berufsalltag als Pädagoge oder Erzieher bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
Soziale Ungleichheit verstärkt die Kluft in der digitalen Kompetenz bei Jugendlichen immer weiter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung. Weiter zeigte sich: Wer eine Lese- und Lernkultur zuhause vorgelebt bekommt, der verfügt auch über bessere digitale Kompetenzen. Fachkräfte in den Bereichen Erziehung und Pädagogik sollten Medienkompetenz in ihrem Berufsalltag aktiv fördern - insbesondere bei sozial-schwachen Schülern.
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Wachsende Kluft bei digitalen Kompetenzen
Forscher des DIPF (Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation), der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Paderborn haben in drei Erhebungswellen in den Jahren 2013, 2018, und 2023 die digitalen Kompetenzen von über 8.5000 Schülerinnen und Schülern der achten Jahrgangsstufe erhoben und diese nun ausgewertet.
Die zentrale Erkenntnis dabei: Die Unterschiede in der digitalen Kompetenz stiegen deutlich an – vor allem im direkten Vergleich zwischen Jugendlichen aus privilegierten und weniger privilegierten Familien. Lag der Unterschied zwischen beiden Gruppen im Jahr 2013 noch bei 43 Punkten, betrug er im Jahr 2023 66 Punkte. Soziale Unterschiede verstärken Ungleichheiten in der digitalen Kompetenz also immer stärker.
Wie wurde digitale Kompetenz gemessen?
Um den Grad an digitaler Kompetenz zu ermitteln achteten die Forscher nicht auf die reine Nutzungshäufigkeit digitaler Medien. Vielmehr ermittelten sie, wie kritisch, sinnvoll und verantwortungsbewusst die Jugendlichen mit digitalen Informationen umgehen. Eine höhere digitale Kompetenz wurde dann zugeschrieben, je kritischer und verantwortungsbewusster der Umgang war.
Kulturelles Umfeld als Katalysator
Doch warum wird die Kluft bei den digitalen Kompetenzen immer größer? Die Forscher machten nicht die Anzahl an digitalen Geräten im Haus als Ursache für eine hohe oder niedrige digitale Kompetenz verantwortlich – Sie identifizierten das kulturelle Umfeld als Hauptfaktor. Je weniger privilegiert die Familie eines Schülers war, desto schlechter waren seine digitale Kompetenzen. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch: Schüler aus sozial privilegierten Familien wiesen höhere digitale Kompetenzen auf.
Den Grad der kulturellen Privilegierung machten die Forscher dabei unter Anderem auch an der Anzahl der Bücher im Haushalt fest: Jugendliche, bei denen mehr als 200 Bücher zuhause standen, erzielten 2023 bereits 86 Punkte mehr als solche mit weniger als 25 Büchern. 2013 war dieser Unterschied noch 20 Punkte geringer.
Auch die Schulart spielte eine entscheidende Rolle: Gymnasiasten erzielten 2023 im Schnitt 85 Punkte mehr als Schüler an anderen Schularten – gegenüber 65 Punkten zehn Jahre zuvor. Die soziale Selektion im deutschen Bildungssystem verstärkt die digitale Ungleichheit also zusätzlich.
Corona verstärkte digitale Kompetenzkluft
Die Forscher vermuten, dass die Corona-Pandemie die Kompetenzkluft weiter beschleunigt hat. Denn als digitales Lernen im Lockdown plötzlich alternativlos wurde, konnten Kinder aus privilegierten Elternhäusern besser damit umgehen. Diesen Umstand führten sie nicht auf die besseren technischen Geräte von sozial privilegierten Familien zurück, sondern vielmehr auf die vertraute Lernkultur daheim: Wer daheim eine Lese- und Lernkultur vorgelebt bekommt kann auch besser digital von zu Hause aus lernen.
Digitale Kompetenz sinkt insgesamt
Wichtig zu beachten ist: Das digitale Kompetenzniveau ist in Deutschland insgesamt gesunken. Auffälligkeiten zeigten sich also nicht durch bestimmte Gruppen, die sich stark verbessert hätten, sondern vielmehr durch Gruppen, die noch deutlicher nachgelassen haben als in der ersten Erhebungswelle.
Das solltest Du als Fachkraft jetzt wissen
Du als Sozialarbeiter, Sozialpädagoge oder Erzieher in Schule, Jugendzentrum oder Familienhilfe solltest dabei stets bedenken: Du bist nicht nur Begleiter Deiner Dir anvertrauten Personen in der digitalen Welt – Du kannst aktiv Ungleichheit abfedern. Die Studie empfiehlt ausdrücklich, dass Schulen die kulturell ungünstigen häuslichen Lernbedingungen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien kompensieren sollten. Das bedeutet in der Praxis: Medienkompetenz fördern gehört zur Kernaufgabe sozialpädagogischer Arbeit – besonders bei Kindern und Jugendlichen, die diesen Rückhalt zuhause nicht bekommen.
Fazit
Die Kluft in der digitalen Kompetenz von Jugendlichen wird zunehmen, denn die Schere zwischen sozial-benachteiligten und sozial-privilegierten Familien wird immer größer. Als pädagogische Fachkraft kannst Du einen wichtigen Beitrag leisten: Prüfe, ob Du in Deiner Einrichtung gezielt Angebote zur Medienkompetenz für benachteiligte Kinder und Jugendliche etablieren oder ausbauen kannst. Die Studie zeigt: Genau hier ist Dein Einsatz am dringendsten gebraucht.
Wenn Du Dich tiefer einlesen möchtest: Link zur Studie
Passende Jobs im Sozialwesen
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Häufige Fragen
- Wie stark ist die digitale Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland wirklich?
- Müssen Kinder in Deutschland einfach mehr Tablets und Smartphones bekommen, um aufzuholen?
- Was kann ich als Erzieher oder Sozialpädagoge in meiner täglichen Arbeit konkret tun?
- Gibt es in Deutschland Förderprogramme für Einrichtungen, die digitale Bildungsgerechtigkeit stärken wollen?
Laut der DIPF-Studie hat sich der Kompetenzunterschied zwischen Schülern aus privilegierten und benachteiligten Familien in Deutschland innerhalb von zehn Jahren von 43 auf 66 Punkte vergrößert. Das weist auf eine strukturelle Bildungslücke hin, die ohne gezieltes Gegensteuern weiter wachsen wird.
Nein. Nicht die technische Ausstattung ist der entscheidende Faktor, sondern das kulturelle Lernumfeld zuhause. Kinder aus Haushalten mit einer aktiven Lese- und Lernkultur entwickeln deutlich bessere digitale Kompetenzen.
Du kannst Medienkompetenz als festen Bestandteil Deiner pädagogischen Arbeit etablieren – nicht als Technikstunde, sondern als kritisch-reflektiertes Umgehen mit digitalen Informationen. Konkret heißt das: Gemeinsames Bewerten von Online-Inhalten, altersgerechte Diskussionen über Fake News oder das bewusste Nutzen digitaler Tools für Lernprojekte.
Ja, die gibt es – Etwa den DigitalPakt Schule des Bundesministerium für Bildung und Forschung. Darüber hinaus bieten Landesmedienanstalten und Einrichtungen wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) kostenfreie Materialien zur Medienkompetenzförderung an.
- idw Informationsdienst Wissenschaft, “Zwischen Klassenzimmer und Kinderzimmer: Die sozialen Unterschiede in den digitalen Kompetenzen steigen”, https://idw-online.de/... (Abrufdatum: 09.06.2026)
- Lörz, M., Becker, B., Niemann, J., Drossel, K. & B. Eickelmann (2026), “Social inequality in digital competencies among students in Germany: A trend analysis using ICILS data 2013-2023”. Computers & Education, 251, 105637, https://doi.org/... (Abrufdatum: 09.06.2026)







