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In der KW 36 vom 31. August bis 6. September 2026 stand die frühkindliche Bildung im Mittelpunkt. Die Bundesregierung beschloss neue Qualitätsvorgaben für Kitas. Gleichzeitig dokumentiert eine große Verbandsbefragung erhebliche Personalengpässe. Neue Ausbildungsdaten zeigen zudem, wie eng psychische Belastungen und Abbruchgedanken zusammenhängen.
Das Wichtigste der KW 36 in Kürze
- Die Bundesregierung plant verbindliche Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen bei Vierjährigen.
- Mindestens zehn Prozent der Kitas jedes Bundeslandes sollen zusätzliche Unterstützung erhalten.
- Der Paritätische berechnet auf Grundlage einer Befragung eine Personallücke von rund 107.000 Mitarbeitern.
- 74 Prozent der dualen Auszubildenden mit stark eingeschränktem Wohlbefinden denken ernsthaft über einen Abbruch nach.
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Bund plant verbindliche Entwicklungsstandserhebungen in Kitas
Das Bundeskabinett hat am 2. September den Entwurf des Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes beschlossen. Danach soll der Sprach- und Entwicklungsstand aller Kinder spätestens im Alter von vier Jahren verbindlich erfasst werden. Berücksichtigt werden sollen insbesondere Sprache, sozial-emotionale und motorische Entwicklung sowie mathematische Fähigkeiten. Bei festgestelltem Bedarf soll eine gezielte Förderung folgen. Der Übergang in die Grundschule soll durch die Weitergabe von Erhebungs- und Förderergebnissen unterstützt werden, wie das Bundesfamilienministerium erläutert.
Kitas mit einem hohen Anteil von Kindern in herausfordernden Lebenslagen sollen je nach Größe bis zu 1,5 zusätzliche Personalstellen für sprachliche Bildung und Kita-Sozialarbeit erhalten. In jedem Bundesland müssen mindestens zehn Prozent der Einrichtungen von dieser Förderung profitieren. Außerdem soll die Fachberatung gestärkt werden.
Der am 4. September dem Bundesrat zugeleitete Gesetzentwurf sieht für die Erhebung Personalressourcen im Umfang von zwei Stunden je Kind vor. Für die Planung und Begleitung einer notwendigen Förderung sollen mindestens 30 Minuten je betroffenem Kind und Woche bereitgestellt werden. Einzelheiten müssen die Länder regeln. Der Bund will ihnen von 2027 bis 2034 über die Umsatzsteuerverteilung insgesamt rund 9,25 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.
Beschlossenes Recht sind diese Regelungen noch nicht. Der Entwurf muss Bundestag und Bundesrat passieren und soll ab 2027 schrittweise wirksam werden. Für Kita-Leitungen und Kindheitspädagogen entsteht daher zunächst Vorbereitungsbedarf. Zu klären sind Zuständigkeiten für Erhebung und Dokumentation, Qualifizierungsbedarf, Datenschutz sowie die Zusammenarbeit mit Grundschulen und öffentlichen Jugendhilfeträgern.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft begrüßt die zusätzliche Unterstützung sozial belasteter Einrichtungen, bewertet den Schwerpunkt auf Erhebungen und Dokumentation aber kritisch. Sie warnt, dass zusätzliche Aufgaben ohne flächendeckend ausreichendes Personal Zeit für die pädagogische Arbeit binden könnten. Dabei handelt es sich um eine gewerkschaftliche Bewertung und Forderung, nicht um eine festgestellte Folge des Entwurfs.
Kita-Befragung zeigt Ausfälle und hohe psychische Belastung
Der ebenfalls am 2. September veröffentlichte Kita-Bericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbandes zeichnet ein angespanntes Bild des Arbeitsalltags. An der zugrunde liegenden Befragung beteiligten sich vom 12. Mai bis 20. Juni 2025 insgesamt 3.267 Einrichtungen aus allen Bundesländern.
In den vier Wochen vor der Befragung mussten 51,5 Prozent der Kitas Familien mindestens einmal darum bitten, Kinder wegen Personalmangels nicht zu bringen oder früher abzuholen. Bei 28,2 Prozent kam dies mehrfach vor. Den vorgegebenen Personalschlüssel hielten 65,3 Prozent der Einrichtungen für unzureichend, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden.
Aus den Angaben zu unbesetzten Stellen und länger ausfallenden Beschäftigten errechnet der Verband eine bundesweite Personallücke von rund 107.000 pädagogischen Mitarbeitern. Davon entfallen nach der Hochrechnung etwa 49.000 auf offene Stellen und 58.000 auf längere Abwesenheiten. Das sind keine einzeln nachgewiesenen Vakanzen für sämtliche deutschen Kitas, sondern eine Hochrechnung aus der Befragung.
Auch die Angaben zur Gesundheit beruhen auf Einschätzungen der Einrichtungen. 89,5 Prozent berichteten von einer starken psychischen Beanspruchung des Personals. In 43,5 Prozent hatte innerhalb eines Jahres mindestens ein Mitarbeiter die Kita aus psychischen Gründen verlassen. Gleichzeitig gaben 77,6 Prozent der Leitungen an, regelmäßig im Gruppendienst auszuhelfen.
Der Bericht ist nach Angaben des Paritätischen dessen bislang größte Kita-Erhebung. Die Teilnahme war jedoch freiwillig, und die Stichprobe ist nicht im statistischen Sinn repräsentativ für alle deutschen Einrichtungen. Die Werte zeigen deshalb Problemlagen im erfassten Bereich, erlauben aber keine punktgenaue Bestimmung des bundesweiten Personalbedarfs.
Für pädagogische Fachkräfte und angehende Erzieher sind besonders die Unterschiede zwischen den Regionen relevant. Während freie Plätze in Teilen Ostdeutschlands vor allem mit sinkenden Kinderzahlen zusammenhängen, können Kapazitäten in vielen westdeutschen Regionen wegen fehlenden Personals nicht genutzt werden. Träger müssen deshalb örtliche Bedarfe, Personalentwicklung und mögliche Umverteilungen getrennt betrachten. Der Paritätische fordert darüber hinaus einen Sozialindex, der die Finanzierung stärker an Armut, Migration und Inklusionsbedarf ausrichtet. Eine solche bundesweite Regelung besteht bislang nicht.
Psychische Belastungen erhöhen das Risiko eines Ausbildungsabbruchs
Knapp 20 Prozent der befragten dualen Auszubildenden fühlen sich durch ihre Ausbildung häufig oder fast immer emotional belastet. Rund 15 Prozent weisen ein besorgniserregend schlechtes Wohlbefinden auf. Das zeigt eine am 2. September veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft.
Besonders deutlich ist der statistische Zusammenhang mit Abbruchgedanken: Unter den Auszubildenden mit stark eingeschränktem Wohlbefinden erwägen 74 Prozent ernsthaft einen Abbruch. Bei stabilem Wohlbefinden sind es zwölf Prozent. Die Befragung beweist allerdings nicht, dass die psychische Belastung allein diese Überlegungen verursacht.
Für die Perspektive der jungen Menschen wurden 929 duale Auszubildende im Alter von 15 bis 25 Jahren zwischen Anfang März und Mitte April 2026 repräsentativ online befragt. Ergänzend wurden Antworten von 1.188 Unternehmen aus dem IW-Personalpanel ausgewertet. 62 Prozent der Betriebe berichteten, psychische Belastungen beeinträchtigten die Produktivität ihrer Auszubildenden. Gleichzeitig sprechen 35 Prozent der jungen Befragten Belastungen aus Sorge vor Nachteilen nicht an.
Die Untersuchung erfasst ausschließlich duale Ausbildungen. Ihre Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf schulische Bildungsgänge übertragen, die bei Erziehern, Kinderpflegern und anderen sozialen Berufen verbreitet sind. Für duale und praxisintegrierte Ausbildungsanteile sowie für sozialwirtschaftliche Ausbildungsbetriebe sind sie dennoch unmittelbar relevant.
Die Studienautoren empfehlen vertrauliche Gesprächsmöglichkeiten, besser sichtbare Unterstützungsangebote und zusätzliche Qualifizierungen für Ausbilder. Arbeitgeber und Bildungsträger können außerdem Erwartungen und vorhandene Hilfen bereits bei der Bewerbung um eine Ausbildung transparent machen. Entscheidend ist, Probleme früh anzusprechen, ohne Auszubildende zu stigmatisieren oder gesundheitliche Aufgaben ungeschulten Mitarbeitern zu übertragen.
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, „Entwurf für Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz verabschiedet“, 02.09.2026 (letzter Zugriff am 07.09.2026).
- Bundesrat, „Entwurf eines Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes“, Drucksache 505/26, 04.09.2026 (letzter Zugriff am 07.09.2026).
- Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, „GEW fordert echtes Kita-Qualitätsgesetz“, 03.09.2026 (letzter Zugriff am 07.09.2026).
- Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, „Kita-Bericht 2026“, 02.09.2026 (letzter Zugriff am 07.09.2026).
- Bertelsmann Stiftung und Institut der deutschen Wirtschaft, „Risikofaktor psychische Belastung: Die mentale Gesundheit von Auszubildenden stärken“, 02.09.2026 (letzter Zugriff am 07.09.2026).





