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Die Berufsschule bildet eine zentrale Säule des deutschen Bildungssystems und steht im Mittelpunkt der dualen Berufsausbildung. Sie verbindet schulisches Lernen mit praktischer Erfahrung im Betrieb und bietet damit einen praxisnahen Weg in das Berufsleben. Als staatlich anerkannte Schulform verfolgt sie das Ziel, berufliche Handlungskompetenzen zu vermitteln und gleichzeitig die allgemeine Bildung zu fördern. Im Zusammenspiel mit Unternehmen, Kammern und Bildungsbehörden übernimmt die Berufsschule eine tragende Rolle bei der Fachkräftesicherung und der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Der folgende Beitrag beleuchtet die Berufsschule in ihren zentralen Funktionen, Anwendungsfeldern, organisatorischen Abläufen sowie den damit verbundenen Chancen und Herausforderungen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist eine Berufsschule?
Die Berufsschule ist ein zentraler Bestandteil des dualen Ausbildungssystems in Deutschland. Sie vermittelt Auszubildenden das notwendige theoretische Wissen, das die praktische Ausbildung im Betrieb ergänzt. In der Regel besuchen Auszubildende ein- bis zweimal wöchentlich die Berufsschule oder nehmen blockweise über mehrere Wochen am Unterricht teil. Die Inhalte und Organisation können dabei je nach Bundesland variieren, da Bildungspolitik in Deutschland Ländersache ist. Die Berufsschule verfolgt das Ziel, die berufliche Handlungsfähigkeit zu fördern und erweitert gleichzeitig die allgemeine Bildung. Sie bereitet auf das Berufsleben ebenso vor wie auf eine mögliche Weiterqualifizierung. Die Inhalte orientieren sich an den Ausbildungsordnungen und den Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz. Berufsschulen richten sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit einem Ausbildungsvertrag in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Damit erfüllen sie eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe in der Qualifizierung von Fachkräften und der Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Grundlagen
Die Berufsschule ist Teil des sogenannten dualen Systems, das aus betrieblicher Ausbildung und schulischer Bildung besteht. Sie unterliegt dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) sowie den Schulgesetzen der Länder und kooperiert eng mit den Ausbildungsbetrieben. Ihr Bildungsauftrag umfasst sowohl die Vermittlung berufsbezogener Inhalte als auch die Stärkung allgemeiner Kompetenzen wie Kommunikation, Sozialverhalten und politische Bildung. Der Unterricht erfolgt auf der Basis bundeseinheitlicher Rahmenlehrpläne, die durch die Kultusministerkonferenz abgestimmt werden. Zugleich setzen die Bundesländer individuelle Schwerpunkte, was zu Unterschieden in der Ausgestaltung führen kann. Berufsschulen leisten somit nicht nur einen Beitrag zur beruflichen Qualifikation, sondern auch zur Persönlichkeitsentwicklung und zur gesellschaftlichen Teilhabe der Auszubildenden. Sie fördern die Ausbildungsreife, begleiten den Einstieg ins Berufsleben und eröffnen langfristige Perspektiven für Weiterbildung und Karriere.

Berufsschule –Anwendungsgebiete
Die Berufsschule deckt ein breites Spektrum an Berufsfeldern ab, von handwerklichen und technischen Berufen über kaufmännische und dienstleistungsorientierte Tätigkeiten bis hin zu Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen. Sie richtet sich an Auszubildende in anerkannten Ausbildungsberufen nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung. Innerhalb der Berufsschule erfolgt die fachliche Spezialisierung über sogenannte Fachklassen, die je nach Ausbildungsberuf organisiert sind. Das ermöglicht eine zielgerichtete Vorbereitung auf die Anforderungen im jeweiligen Berufsfeld. Berufsschulen unterstützen zudem den Erwerb zusätzlicher Qualifikationen, etwa in den Bereichen Digitalisierung, Umweltschutz oder internationale Kompetenzen. Durch ihre enge Verzahnung mit der Praxis bereitet die Berufsschule nicht nur auf konkrete Tätigkeiten vor, sondern schafft auch die Grundlage für berufliche Mobilität und lebenslanges Lernen.
Berufsschulpflicht – Gesetzlich geregelt
In vielen Bundesländern besteht für Jugendliche unter 18 Jahren eine Berufsschulpflicht. Sie beginnt mit der Ausbildung und endet meist mit dem Abschluss. Auch volljährige Auszubildende sind zur Teilnahme am Unterricht verpflichtet. Die Regelungen sind in den Schulgesetzen der Länder verankert. Unentschuldigtes Fehlen kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Berufsschule – Ablauf
Die Ausbildung an der Berufsschule dauert je nach Ausbildungsberuf in der Regel zwei bis dreieinhalb Jahre. Bei entsprechenden schulischen oder beruflichen Vorkenntnissen, beispielsweise mit (Fach-)Abitur eines Gymnasiums oder einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung, besteht die Möglichkeit, die Ausbildungszeit zu verkürzen. Über die Verkürzung entscheiden Betrieb und Berufsschule in Absprache mit den zuständigen Kammern.
Der Unterricht erfolgt entweder in Teilzeitform, meist an ein bis zwei Tagen pro Woche, oder im Blockunterricht, bei dem sich längere Schulphasen mit Praxiszeiten im Betrieb abwechseln. Die genaue Organisation unterscheidet sich je nach Bundesland und Berufsfeld.
Neben berufsbezogenen Fachinhalten vermittelt die Berufsschule auch allgemeinbildende Kompetenzen. Ziel ist die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung vor einer Kammer, zum Beispiel der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK). Mit dem Abschluss erwirbt man nicht nur eine anerkannte berufliche Qualifikation, sondern, bei entsprechenden Leistungen, auch einen mittleren Schulabschluss oder sogar die Fachhochschulreife.
Berufsschule – Kosten
Der Besuch der Berufsschule ist in Deutschland in der Regel kostenfrei, da es sich um eine öffentliche Schulform handelt. Das gilt sowohl für den Unterricht als auch für Prüfungen. Eventuell fallen geringe Ausgaben für Lernmaterialien, Fachbücher oder Arbeitskleidung an. Diese Kosten tragen häufig die Auszubildenden selbst, können aber vom Ausbildungsbetrieb übernommen oder bezuschusst werden. Auch die Fahrtkosten zur Berufsschule oder zu überbetrieblichen Lehrgängen können anfallen. Je nach Bundesland gibt es hierfür Förderprogramme, Erstattungen oder Azubitickets im öffentlichen Nahverkehr. In manchen Branchen beteiligen sich zudem die Betriebe an den entstehenden Ausgaben. Da Auszubildende während der gesamten Ausbildungszeit jedoch eine Vergütung vom Betrieb erhalten, ist die Berufsschule im Vergleich zu anderen Bildungswegen besonders attraktiv: Sie verbindet Lernen mit einem festen Einkommen und verursacht kaum finanzielle Belastungen.
Kritik
Obwohl die Berufsschule eine tragende Säule im dualen Ausbildungssystem darstellt, bleibt sie nicht frei von Kritik. In vielen Regionen mangelt es an einer modernen, digitalen Infrastruktur sowie an zeitgemäßen Unterrichtsmaterialien. Gerade in technologisch anspruchsvollen Berufsfeldern fehlt es oft an praxisnahen Lernumgebungen, die den Anforderungen der heutigen Arbeitswelt gerecht werden. Zudem bestehen bundesweit große Unterschiede in der Unterrichtsqualität, verursacht durch einen Mangel an Lehrern, überfüllte Klassen und eine teilweise unzureichende Abstimmung mit den Ausbildungsbetrieben.
Auch in der individuellen Förderung zeigen sich Schwächen: Auszubildende mit Sprachbarrieren oder besonderem Unterstützungsbedarf erhalten nicht überall ausreichende Begleitung. Die vorhandenen Förderangebote können strukturell und personell oft nicht flächendeckend umgesetzt werden.
Die folgende Übersicht zeigt zentrale Stärken der Berufsschule im Vergleich zu häufig genannten Schwachpunkten:
| Stärken der Berufsschule | Kritikpunkte und Herausforderungen |
|---|---|
| Kombination von Theorie und Praxis | Veraltete Ausstattung und fehlende Digitalisierung |
| Staatlich anerkannter Berufsabschluss | Lehrermangel und Überlastung des Personals |
| Geringe Kosten, gleichzeitige Ausbildungsvergütung | Unterschiedliche Standards je nach Bundesland |
| Möglichkeit zusätzlicher Schulabschlüsse | Schwache individuelle Förderung bei besonderem Bedarf |
| Praxisnähe durch enge Verzahnung mit Betrieben | Unzureichende Abstimmung zwischen Betrieb und Schule |
Insgesamt zeigt sich: Die Berufsschule erfüllt eine zentrale gesellschaftliche Funktion, muss sich jedoch fortlaufend modernisieren, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Häufige Fragen
- Was ist eine Berufsschule?
- Wie viele Stunden Berufsschule am Tag?
- Berufsschule fällt aus, muss ich zur Arbeit?
- Muss ich nach der Berufsschule noch in den Betrieb?
Die Berufsschule ist der schulische Teil der dualen Ausbildung und vermittelt theoretisches Wissen passend zum Ausbildungsberuf.
In der Regel umfasst ein Schultag sechs bis acht Unterrichtsstunden, abhängig vom Bundesland und Stundenplan.
Fällt der Unterricht ersatzlos aus, besteht grundsätzlich die Pflicht, im Betrieb zu erscheinen. Es sei denn, der Ausbildungsbetrieb regelt etwas anderes.
Nein, wenn der Berufsschulunterricht an einem Tag mehr als fünf Unterrichtsstunden umfasst, entfällt laut Jugendarbeitsschutzgesetz in der Regel die Pflicht zur Arbeit, bei Volljährigen entscheidet der Betrieb.
- Kultusministerkonferenz (KMK), „Berufsschulen – Duale Berufsausbildung“, https://www.kmk.org (letzter Zugriff am 24.07.2025).
- Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, „Berufsschule“, https://www.km.bayern.de/lernen/schularten/berufsschule (letzter Zugriff am 24.07.2025).
- Einstieg GmbH, „Berufsschule – die Schule der dualen Berufsausbildung“, https://www.einstieg.com/ausbildung/berufsschule-die-schule-der-dualen-berufsbildung.html (letzter Zugriff am 24.07.2025).
- jobs-regional.de, „Berufsschule – Definition, Ablauf & wichtige Infos“, https://www.jobs-regional.de/ausbildungsguide/berufsschule (letzter Zugriff am 24.07.2025).
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), „Berufsschule“, 25.07.2025, https://www.bibb.de/de/137895.php (letzter Zugriff am 24.07.2025).




