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Onlineberatung hat sich als moderne Form professioneller Unterstützung etabliert. Sie ermöglicht Ratsuchenden den Zugang zu Hilfe – unabhängig von Ort und Zeit – und ergänzt klassische Präsenzangebote in vielen Bereichen. Dazu gehören beispielsweise psychosoziale Onlineberatung oder Jugend- und Familienhilfe. Digitale Formate schaffen niedrigschwellige Zugänge, erreichen neue Zielgruppen und bieten flexible Kommunikationswege.
Der folgende Artikel gibt einen Überblick über Ziele, Einsatzfelder und Formen und zeigt Zukunftsperspektiven auf.
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Onlineberatung – Definition
Onlineberatung – auch digitale Beratung, E-Beratung und Remote-Beratung genannt – umfasst eine professionelle Form der Beratung, bei der Ratsuchende und Fachkräfte internetbasiert miteinander kommunizieren. Der Austausch erfolgt ortsunabhängig über digitale Medien wie Video- und Telefonkonferenzen, Chat- und Messenger-Dienste, E-Mail oder spezialisierte Beratungsplattformen.
Die Einsatzfelder der Online-Beratung sind heute sehr vielfältig. Sie reichen von psychologischer psychosozialer Onlineberatung über die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe bis hin zu Suchtberatung oder Berufsberatung. Auch im Bereich Migration und Integration, bei Fragen zu finanzieller und sozialer Absicherung sowie in der Gesundheitsberatung hat digitale Unterstützung längst einen festen Platz.
Geschichte der Onlineberatung
Die Wurzeln der Onlineberatung reichen im deutschsprachigen Raum bis ins Jahr 1995 zurück, als die ersten digitalen Unterstützungsangebote entstanden. Als Pionier gilt die TelefonSeelsorge, die früh Mail- und Chatberatungen einführte und damit einen neuen Zugang zu psychosozialer Unterstützung schuf.
In den frühen 2000er-Jahren folgten weitere bedeutende Initiativen. Besonders prägend war die Einführung der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke), die heute Foren, Mailangebote sowie Einzel-, Gruppen- und Themenchats bereitstellt. Parallel dazu bauten große Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie und AWO digitale Beratungsstrukturen auf und entwickelten spezialisierte Angebote für vielfältige Zielgruppen – von trauernden Jugendlichen über Betroffene sexualisierter Gewalt bis hin zu Ratsuchenden in allgemeinen Lebenskrisen.
Insbesondere die Corona-Pandemie führte zu einem starken Innovationsschub: Präsenzberatungen mussten kurzfristig durch digitale Formate ersetzt werden, sodass viele Einrichtungen ihre Online-Angebote erweiterten oder ganz neu aufbauten. Diese Phase wird heute als wichtiger Beschleuniger für die Digitalisierung der Beratungslandschaft im Sozialwesen betrachtet.
Onlineberatung – Formen
Onlineberatung hat sich im Sozialwesen als fester Bestandteil professioneller Unterstützungsangebote etabliert. Besonders für Menschen, die aufgrund persönlicher, sozialer oder räumlicher Barrieren keine Präsenzangebote nutzen können, ermöglicht die Online-Beratung einen niedrigschwelligen, flexiblen und ortsunabhängigen Zugang zu Unterstützungsangeboten.
Je nach Situation stehen unterschiedliche digitale Kommunikationswege zur Verfügung. Die folgenden sechs Formen zeigen, wie vielfältig Beratung im sozialen Bereich online umgesetzt werden kann.
| Form | Beschreibung | Beispiel |
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Mail-Beratung |
Austausch per E-Mail, Nachrichten werden zeitversetzt beantwortet, eignet sich zum ruhigen Formulieren | Online-Suchtberatung, Erziehungs- und Familienberatungsstellen |
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Foren-Beratung |
Ratsuchende stellen Fragen öffentlich, Austausch mit Fachkräften und Betroffenen | Selbsthilfe-Foren (Depression, Angst), Beratungsforen für Eltern |
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Chatberatung |
Live-Textchat zu festen Zeiten, niedrigschwellig und direkt | Nummer gegen Kummer Chat, Krisenchat für Jugendliche |
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Messenger-Beratung |
Kurznachrichten oder Sprachnachrichten, flexibel und alltagsnah | WhatsApp-Elternberatung, Digital-Streetwork über Signal, Caritas Messenger |
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Internet-Telefonie |
Beratung per Audio über Internet, geeignet bei technischen Hürden | Telefonische Sozialberatung über Online-Telefonie |
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Videoberatung |
Beratung per Videogespräch, nah am persönlichen Kontakt | Psychologische Video-Beratung, Erziehungsberatung |
Onlineberatung – Zielgruppe
Grundsätzlich richtet sich Onlineberatung an alle Menschen, die Unterstützung suchen. Besonders profitieren jedoch Gruppen, die im klassischen Beratungssystem mit Zugangshürden konfrontiert sind. Dazu gehören Jugendliche und junge Erwachsene, die digitale Kommunikationswege bevorzugen, Familien mit Zeit- und Betreuungsengpässen, Menschen in ländlichen Regionen sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität oder chronischen Erkrankungen.
Auch Menschen in schwierigen Lebenssituationen, etwa nach Gewalterfahrungen oder mit psychischen Belastungen, nutzen digitale Beratungsangebote häufig, weil sie anonym bleiben können und sich sicherer fühlen als im persönlichen Kontakt. Nicht zuletzt erreicht Onlineberatung Personen, die sozial isoliert sind oder die Schwelle zu herkömmlichen Hilfesystemen noch nicht überschritten haben.

Umsetzung der Onlineberatung
Die Umsetzung erfolgt strukturiert und orientiert sich an den Bedürfnissen der Ratsuchenden. Nach dem Erstkontakt werden Anliegen erfasst, Ziele gemeinsam geklärt und geeignete Kommunikationswege ausgewählt. Das Konzept kann einzelne oder mehrere Methoden kombinieren, etwa E-Mail, Chat, Messenger, Video oder hybride Formate.
Während der Beratung begleiten Fachkräfte die Ratsuchenden aktiv, moderieren Gespräche und setzen digitale Tools zur Dokumentation, Visualisierung oder gemeinsamen Bearbeitung von Inhalten ein. Abschließend werden die Ergebnisse dokumentiert und der Beratungsprozess regelmäßig evaluiert, um Maßnahmen bei Bedarf anzupassen und die Qualität sicherzustellen.
Nutzen
Der Nutzen von Onlineberatung liegt in ihrer Flexibilität und Zugänglichkeit. Sie erleichtert den Erstkontakt, verkürzt Wartezeiten und ermöglicht Unterstützungsprozesse unabhängig von Öffnungszeiten und geografischen Grenzen. Ratsuchende können in vertrauter Umgebung bleiben und, wenn gewünscht, anonym bleiben, was die Hemmschwelle deutlich senkt und besonders bei sensiblen Themen schützt.
Gleichzeitig unterstützt die schriftliche Kommunikation das strukturierte Denken und schafft Klarheit sowohl für Ratsuchende als auch für Beratende. Für Fachkräfte bietet sie die Möglichkeit, neue Zielgruppen zu erreichen und Beratungsprozesse transparent zu dokumentieren. Damit trägt Onlineberatung wesentlich dazu bei, Versorgungslücken zu schließen und Teilhabe an psychosozialer Unterstützung zu erleichtern.
Onlineberatung – Perspektive
Die Onlineberatung wird sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln und professionalisieren. Hybridmodelle, die Online- und Präsenzberatung kombinieren, werden in vielen Bereichen zur Regel werden. Gleichzeitig wächst der Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die über digitale Beratungskompetenz verfügen und technische, rechtliche sowie kommunikative Besonderheiten souverän beherrschen.
Technische Lösungen werden benutzerfreundlicher, sicherer und barrierefreier, während unterstützende Technologien wie automatisierte Terminverwaltung oder KI-basierte Begleitfunktionen ergänzend eingesetzt werden, ohne den menschlichen Kern der Beratung zu ersetzen. Insgesamt wird Onlineberatung zunehmend als vollwertiger, eigenständiger Beratungsansatz wahrgenommen und bleibt ein wichtiger Baustein, um Menschen in einer digital vernetzten Welt zeitgemäß, flexibel und professionell zu unterstützen.
Häufige Fragen
- Was ist Onlineberatung?
- Wie funktioniert eine Onlineberatung?
- Was kostet eine Onlineberatung?
- Welche Vorteile hat Onlineberatung?
Onlineberatung ist die professionelle Beratung über digitale Kanäle, z. B. per Video, Chat oder E-Mail. Sie ermöglicht ortsunabhängige Unterstützung und ist in sozialen, psychischen, medizinischen oder beruflichen Kontexten weit verbreitet.
Onlineberatung erfolgt über digitale Kommunikationswege wie Video, Chat, Messenger oder E-Mail. Ratsuchende nehmen Kontakt über eine Plattform auf und erhalten professionelle Unterstützung.
Die Kosten variieren je nach Anbieter. Viele Beratungsstellen im Sozial- und Gesundheitsbereich bieten Onlineberatung kostenlos an, während private Beratungsangebote oder Coaching-Services kostenpflichtig sein können.
Onlineberatung bietet flexible und ortsunabhängige Unterstützung, spart Wege- und Wartezeiten und ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zu Hilfe. Viele Angebote sind anonym nutzbar, was Hemmschwellen reduziert.
- Deutschsprachige Gesellschaft für psychosoziale Onlineberatung (DGOB) e.V., Definition Online-Beratung, https://dg-onlineberatung.de/... (letzter Zugriff am 05.11.2025)
- Österreichisches Institut für Familienforschung, Onlineberatung im psychosozialen Kontext, https://www.oif.ac.at/... (letzter Zugriff am 05.11.2025)




