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In der KW 40 vom 28. September bis 4. Oktober 2026 standen Pflege, Kinderbetreuung und Familienhilfe im Mittelpunkt. Ein neues Reformvorhaben könnte Leistungen und Arbeitsabläufe in der Langzeitpflege deutlich verändern. Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten, wie demografischer Wandel und soziale Ungleichheit die Planung sozialer Angebote beeinflussen.
Das Wichtigste der KW 40 in Kürze
- Das Bundeskabinett beschließt einen umfassenden Entwurf zur Neuordnung der Pflegeversicherung.
- Für die Digitalisierung der Langzeitpflege sind zwei Milliarden Euro von Bund und Ländern vorgesehen.
- Die Zahl der betreuten Kinder unter drei Jahren sinkt binnen eines Jahres um 5,6 Prozent.
- In Nordrhein-Westfalen sind 24 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
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Pflegeneuordnung soll Leistungen und Arbeitsabläufe verändern
Das Bundeskabinett hat am 30. September den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes beschlossen. Die Reform ist noch nicht geltendes Recht und muss das parlamentarische Verfahren durchlaufen. Nach den Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sollen Leistungsbudgets neu geordnet, Prävention und Rehabilitation gestärkt und digitale Verfahren ausgebaut werden.
Ein zentrales digitales „Pflege-Cockpit“ soll Anträge, Leistungsinformationen und die Suche nach Anbietern über einen gemeinsamen Zugang ermöglichen. Pflegegeld und ambulante Sachleistungen sollen für die Pflegegrade 2 bis 5 gebündelt und erhöht werden. An die Stelle des bisherigen Entlastungsbetrags soll ab Pflegegrad 2 ein Sozialraumbudget treten. Für Pflegebedürftige unter 25 Jahren sind bis zu 300 Euro monatlich vorgesehen.
Für pflegerische Not- und Überbrückungssituationen plant der Entwurf ein eigenes Budget. Ab 2028 sollen zusätzlich Akut-Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung stehen. Bei der Einstufung in die Pflegegrade 1 bis 3 soll die Begutachtungssystematik angepasst werden. Bereits eingestufte Versicherte sollen den Bestandsschutz erhalten.
Pflegeeinrichtungen sollen mehr Spielraum erhalten, technische Neuerungen mit den Pflegekassen zu vereinbaren. Für die Digitalisierung der Langzeitpflege sind 1,6 Milliarden Euro aus Bundesmitteln und weitere 400 Millionen Euro der Länder vorgesehen. Einrichtungen könnten zeitlich begrenzte Transformationsstellen in den Pflegesätzen berücksichtigen, wenn die eingesetzte Technik voraussichtlich Personal entlastet.
Für Altenpfleger und Alltagsbegleiter ändern sich die Arbeitsabläufe zunächst nicht. Bei einer Verabschiedung müssten Träger jedoch digitale Zugänge, Beratung, Leistungsplanung und Zuständigkeiten anpassen. Hinzu kämen Schulungs- und Datenschutzfragen.
Die Diakonie begrüßt den Bestandsschutz sowie den Erhalt der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige. Sie kritisiert allerdings mögliche Einschränkungen der Entlastungspflege und befürchtet den Verlust von Beratungs- und Anleitungsaufgaben bei ambulanten Diensten. Das ist eine verbandspolitische Bewertung des Entwurfs, keine bereits feststehende Folge.
Weniger Kinder, aber weiterhin mehr Personal in Kitas
Zum 1. März 2026 wurden bundesweit rund 756.700 Kinder unter drei Jahren in einer Kindertageseinrichtung oder öffentlich geförderten Kindertagespflege betreut. Das waren nach den am 29. September veröffentlichten Destatis-Zahlen zur Kindertagesbetreuung rund 44.600 Kinder beziehungsweise 5,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Seit dem Höchststand von 2023 ist ihre Zahl um 99.900 zurückgegangen.
Die Betreuungsquote der unter Dreijährigen sank leicht auf 37,2 Prozent. Regional bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede: In den östlichen Bundesländern einschließlich Berlins lag die Quote bei 53,5 Prozent, in den westlichen Ländern bei 34,1 Prozent. Insgesamt wurden knapp 3,98 Millionen Kinder unter 14 Jahren betreut, zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Erstmals seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2006 sank auch die Zahl der Kindertageseinrichtungen. Bundesweit bestanden noch rund 61.000 Kitas, etwa 80 weniger als 2025.
Die Zahl der pädagogischen, leitenden und verwaltenden Beschäftigten stieg dagegen um 3.800 beziehungsweise 0,5 Prozent auf 799.500. Deutlich rückläufig blieb die Kindertagespflege: Die Zahl der Tagespflegepersonen sank im sechsten Jahr in Folge um 8,6 Prozent auf 34.200.
Sinkende Kinderzahlen bedeuten damit nicht automatisch einen flächendeckenden Personalüberhang. Die Statistik erfasst bestehende Betreuungsverhältnisse und Arbeitsverhältnisse an einem Stichtag. Sie sagt nichts über Wartelisten, Öffnungszeiten, Ausfälle oder die örtliche Qualität der Personalschlüssel aus.
Für Kita-Leitungen und Erzieher wird eine regional differenzierte Planung wichtiger. In Regionen mit stark sinkenden Kinderzahlen können frei werdende Ressourcen für kleinere Gruppen, Sprachförderung oder Inklusion genutzt werden. Wo weiterhin Plätze fehlen, wären pauschale Personalreduzierungen dagegen nicht sachgerecht.
Familienbericht zeigt soziale Belastungen in Nordrhein-Westfalen
Am 1. Oktober wurden die Ergebnisse des ersten nordrhein-westfälischen Familienberichts seit 2015 vorgestellt. Der Bericht verbindet amtliche Statistiken mit Daten des DJI-Surveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“. Für die landesspezifische Erhebung wurden rund 2.300 Familien mit etwa 4.400 minderjährigen Kindern befragt.
Nach dem Familienbericht Nordrhein-Westfalen 2026 waren 2025 im Land 17,6 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Bundesweit betrug der Anteil 16,1 Prozent. Insgesamt waren in Nordrhein-Westfalen 24 Prozent von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, gegenüber 21,2 Prozent im Bundesdurchschnitt.
Materielle Einschränkungen zeigen sich besonders deutlich bei Familien mit minderjährigen Kindern. Mindestens ein Merkmal kindbezogener Entbehrung traf auf 38 Prozent der armutsgefährdeten Familien zu, aber nur auf fünf Prozent der nicht armutsgefährdeten Familien. Auf einen einwöchigen Urlaub mussten 35 Prozent der armutsgefährdeten Familien verzichten.
Für Familienhelfer und Sozialarbeiter spricht dies für eine mehrdimensionale Bedarfserfassung. Neben dem Einkommen können Wohnsituation, Gesundheit, soziale Unterstützung und tatsächliche Teilhabemöglichkeiten entscheidend sein. Die Ergebnisse gelten unmittelbar nur für Nordrhein-Westfalen. Zudem stammen die verwendeten Daten aus unterschiedlichen Jahren. Seltenere Familienformen wie Pflege-, Regenbogen- oder Co-Elternfamilien waren für eigenständige statistische Analysen teilweise zu klein vertreten.
Transparenz prägt das Vertrauen in soziale Träger
Eine am 28. September veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der Diakonie zeigt hohe Erwartungen an soziale Organisationen. Von den Befragten bevorzugten 48 Prozent ein Zusammenspiel staatlicher und freier Träger bei Kinderbetreuung, Altenhilfe und sozialer Beratung. 36 Prozent sahen den Staat in der Hauptverantwortung, zwölf Prozent gemeinnützige Organisationen und ein Prozent kommerzielle Anbieter.
Für das Vertrauen in einen Träger waren nach der Umfrage der Diakonie vor allem transparente Informationen wichtig. Dies nannten 71 Prozent. Eine klare Werteorientierung war für 68 Prozent, die Gemeinnützigkeit für 55 Prozent bedeutsam. Befragt wurden 2.000 zufällig ausgewählte Erwachsene vom 13. bis 17. Juli 2026 telefonisch.
Für Sozialmanager und die Leitung sozialer Dienste unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung nachvollziehbarer Leistungs-, Qualitäts- und Finanzinformationen. Die Befragung misst jedoch Einstellungen, nicht die tatsächliche Qualität einzelner Einrichtungen. Als Auftragsstudie eines Wohlfahrtsverbandes begründet sie zudem weder einen Finanzierungsanspruch noch eine allgemeine Bevorzugung gemeinnütziger Träger.
- Bundesministerium für Gesundheit, „Kabinett beschließt Pflegeneuordnungsgesetz“, 30.09.2026 (letzter Zugriff am 05.10.2026).
- Diakonie Deutschland, „Die Pflegereform lässt Pflegebedürftige und Einrichtungen im Stich“, 30.09.2026 (letzter Zugriff am 05.10.2026).
- Statistisches Bundesamt, „Kindertagesbetreuung 2026: Zahl der unter Dreijährigen sinkt zum dritten Mal in Folge“, 29.09.2026 (letzter Zugriff am 05.10.2026).
- Deutsches Jugendinstitut, „Familienbericht NRW 2026: Ergebnisse im Dialog“, 01.10.2026 (letzter Zugriff am 05.10.2026).
- Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen und Deutsches Jugendinstitut, „Familien im Blick. Lebenslagen verstehen. Zukunft gestalten“, 01.10.2026 (letzter Zugriff am 05.10.2026).
- Diakonie Deutschland, „Starkes Signal für die Freie Wohlfahrtspflege und den Sozialstaat“, 28.09.2026 (letzter Zugriff am 05.10.2026).





