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In der KW 43 vom 19. bis 25. Oktober 2026 standen Finanzierung und Personalbedarf in der Bildungs- und Sozialarbeit im Vordergrund. Die Länder fordern eine dauerhafte Beteiligung des Bundes an den Kita-Kosten. Eine regionale Erhebung dokumentiert zugleich erhebliche Engpässe in Sonderpädagogik und Ganztag. Für junge Menschen mit Pflegeverantwortung wird ein bundesweites Beratungsprojekt verlängert.
Das Wichtigste der KW 43 in Kürze
- Die Länder verlangen dauerhaft mindestens zwei Milliarden Euro Bundesmittel pro Jahr für die Kita-Qualität.
- 78 Prozent der befragten sonderpädagogischen Zentren in Baden-Württemberg melden höchstens 90 Prozent Unterrichtsversorgung.
- Das Beratungsprojekt „Pausentaste“ für junge Pflegende wird bis Ende 2028 fortgesetzt.
- Eine kleine Pilotstudie liefert erste Hinweise auf eine mögliche Wirkung digitaler Hilfe gegen Einsamkeit.
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Länder verlangen dauerhaft mindestens zwei Milliarden Euro für Kitas
Die Regierungschefs der Länder haben am 22. Oktober Nachbesserungen am geplanten Kita-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz verlangt. Nach ihrem Beschluss zur Kita-Finanzierung soll der Bund seine bisherige Unterstützung von zwei Milliarden Euro jährlich dauerhaft, dynamisiert und ohne schrittweise Kürzung fortsetzen. Neue bundesrechtliche Standards müssten zusätzlich vollständig finanziert oder an die verfügbaren Mittel angepasst werden.
Der Regierungsentwurf sieht nach Darstellung der Länder dagegen 1,493 Milliarden Euro in den Jahren 2027 und 2028 vor. Im Jahr 2029 sollen es 1,243 Milliarden Euro sein, ab 2030 noch 993 Millionen Euro jährlich. Für die Zeit nach 2034 weist der Entwurf keine weitere Bundesbeteiligung aus. Gleichzeitig würden die Aufgaben von Ländern und Kommunen stufenweise wachsen und dauerhaft bestehen.
Die Ministerpräsidentenkonferenz will die bundesweiten Vorgaben auf drei Bereiche konzentrieren: Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen mit anschließender Förderung, zusätzliche Unterstützung für Kitas in schwierigen sozialen Lagen sowie einen besseren Übergang in die Grundschule. Gefordert werden außerdem Übergangsfristen, die zu den unterschiedlichen Finanzierungssystemen der Länder passen.
Der Beschluss ändert noch keine geltenden Vorgaben. Er ist eine gemeinsame politische Position der Länder im laufenden Gesetzgebungsverfahren. Für Kita-Leitungen und Kindheitspädagogen bleibt damit offen, in welchem Umfang künftig zusätzliche Erhebungs-, Förder- und Dokumentationsaufgaben finanziert werden. Träger können neue Stellen und Qualifizierungen deshalb noch nicht verlässlich allein auf Grundlage des Bundesentwurfs einplanen.
Personallücken treffen sonderpädagogische Zentren besonders stark
Nur zwei Prozent der befragten Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, kurz SBBZ, in Baden-Württemberg verfügen nach eigenen Angaben über den vollständigen vorgesehenen Unterrichtsumfang. 78 Prozent erreichen höchstens 90 Prozent. An jedem achten teilnehmenden SBBZ liegt die Versorgung sogar unter 70 Prozent. Das berichtet der Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg in seiner am 19. Oktober veröffentlichten Erhebung zur Unterrichts- und Ganztagsversorgung.
An der Onlinebefragung vom 5. bis 9. Oktober beteiligten sich die Leitungen von 409 Grundschulen, 211 Schulen der Sekundarstufe I und 129 SBBZ. Insgesamt umfasst die Stichprobe damit 749 Schulen. Unterrichtsausfälle meldeten 51 Prozent der SBBZ. An 62 Prozent unterrichteten Personen ohne Lehramtsausbildung. In fast jedem dritten Zentrum stellten Beschäftigte ohne diese Ausbildung mindestens 30 Prozent des Kollegiums.
Auch der Ganztag bereitet den befragten Grundschulleitungen Schwierigkeiten. 71 Prozent nannten fehlendes qualifiziertes Personal als Herausforderung, 63 Prozent unzureichende Räume. 41 Prozent sahen unklare Zuständigkeiten zwischen Schule, Schulträger und Jugendhilfe. Neben pädagogischen Fachkräften kommen laut den offenen Antworten unter anderem Studenten, Ehrenamtliche, Quereinsteiger und Beschäftigte ohne einschlägige Ausbildung zum Einsatz.
Die Ergebnisse gelten nur für Baden-Württemberg und sind nicht repräsentativ. Wegen der freiwilligen Teilnahme kann nicht angenommen werden, dass sie die Lage aller Schulen des Landes exakt abbilden. Sie zeigen aber, an welchen Schnittstellen Personal- und Organisationsprobleme auftreten können.
Für Sonderpädagogen und Schulbegleiter wächst in unterbesetzten Systemen das Risiko unklarer Aufgabenverteilungen. Schulen und soziale Träger müssen insbesondere festlegen, welche Tätigkeiten eine sonderpädagogische Qualifikation voraussetzen, wie fachfremde Mitarbeiter angeleitet werden und wer die Zusammenarbeit im Ganztag koordiniert. Aus den Verbandsdaten lässt sich jedoch kein bundesweiter zusätzlicher Stellenbedarf berechnen.
Beratungsprojekt für junge Pflegende läuft bis Ende 2028
Das Bundesfamilienministerium setzt das Projekt „Pausentaste“ bis Ende 2028 fort. Die Verlängerung wurde beim neunten Fachtag am 20. Oktober bekannt gegeben. Das bundesweite Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die erkrankte oder pflegebedürftige Angehörige unterstützen. Im Mittelpunkt des diesjährigen Treffens standen Belastungen während Ausbildung und Studium.
Nach einer Schätzung des Ministeriums übernehmen fast 500.000 Minderjährige in Deutschland Pflegeaufgaben. Die tatsächliche Zahl könne höher liegen, weil viele ihre Unterstützung im Familienalltag nicht als Pflege verstehen. Der Projektpartner „Nummer gegen Kummer“ verzeichnete 2025 mehr als 2.000 Beratungen mit Bezug zur „Pausentaste“. Die Projektseite wurde im selben Jahr knapp 20.000-mal aufgerufen.
Die Verlängerung begründet keinen neuen individuellen Anspruch auf Freistellung oder angepasste Ausbildungsbedingungen. Sie sichert zunächst Beratung, Vernetzung und Sensibilisierungsmaterialien. Für Schulsozialarbeiter und Fachkräfte der Familienberatung bleibt wichtig, Pflegeverantwortung als mögliche Ursache von Fehlzeiten, Erschöpfung oder Ausbildungsproblemen zu berücksichtigen. Bildungseinrichtungen und Arbeitgeber benötigen vertrauliche Ansprechwege und klare Weiterverweisungen, ohne junge Pflegende vorschnell zu problematisieren.
Einsamkeits-App zeigt erste, aber noch begrenzte Effekte
Eine am 22. Oktober veröffentlichte Pilotstudie hat eine deutschsprachige App mit sechs Modulen gegen Einsamkeit untersucht. Die Übungen von „platoniq“ beruhen unter anderem auf sozialem Kompetenztraining und kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Bei 67 Teilnehmern sank der mittlere Wert auf der verwendeten Einsamkeitsskala nach vier Wochen von 25,6 auf 23,5 Punkte. 45 Prozent erreichten eine Abnahme um mindestens drei Punkte.
Die Originalpublikation in „JMIR Human Factors“ erlaubt jedoch keinen Wirksamkeitsnachweis. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe und umfasste nur 72 deutschsprachige Erwachsene mit einem Medianalter von 35 Jahren. 83,3 Prozent waren Frauen, 69,4 Prozent hatten einen Hochschulabschluss. Nach acht Wochen lagen noch Daten von 44 Teilnehmern vor. Zudem waren drei Autoren Mitgründer und Anteilseigner des Unternehmens, das die untersuchte App bereitstellte. Die Autoren verlangen deshalb selbst randomisierte kontrollierte Studien.
Für Sozialberater und Sozialarbeiter können digitale Übungen eine Ergänzung zu niedrigschwelligen Angeboten sein. Aus dieser kleinen, selbst ausgewählten Stichprobe lassen sich aber weder Aussagen über Jugendliche und ältere Menschen noch über den Einsatz in akuten psychischen Krisen ableiten. Persönliche Beratung, Gruppenangebote und lokale Hilfen können durch die bisherigen Ergebnisse nicht ersetzt werden.
- Konferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder, „Beschluss TOP 6: Kita-Finanzierung“, 22.10.2026, https://www.rlp.de/... (letzter Zugriff am 26.10.2026)
- Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg, „VBE-Umfrage: Ganztagsbetreuung läuft holprig an“, 19.10.2026, https://vbe-bw.de/... (letzter Zugriff am 26.10.2026)
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, „Projekt ‚Pausentaste‘: Junge Pflegende auf ihrem Bildungsweg stärken“, 20.10.2026, https://www.bmbfsfj.bund.de/... (letzter Zugriff am 26.10.2026)
- Silvan Hornstein et al., „A Digital App-Based Intervention (Platoniq) to Reduce Loneliness: Single-Arm Pilot Study“, 22.10.2026, https://humanfactors.jmir.org/... (letzter Zugriff am 26.10.2026)





